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Nach einer langen Anreise über São Paulo und Belém errreichten wir schließlich am 8. März um halb ein Uhr Nachts Macapá, die Hauptstadt des Bundesstaates Amapá, wo wir von Prof. Edmar de Oliveira von der Univesidade Federal do Amapá (UNIFAP) begrüßt wurden und dann in den Gästehäusern des Instituto de Pesquisas Científicas e Tecnologia do Amapá (IEPA) übernachteten.
Obwohl die Gästehäuser des IEPA mehr oder weniger am Rande der Stadt liegen, gab es doch für uns Europäer dort unheimlich viel zu entdecken, von der Vogelspinne über Kapuzineräffchen bis hin zum in Brasilien allgegenwärtigen Rabengeier, und so nutzten wir die Zeit, uns dort gründlich umzusehen.
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| Die Straße in den Dschungel - Ein Kapitel für sich... |
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| Am 9. März um die Mittagszeit schließlich, setzten wir die Reise zum eigentlichen Etappenziel fort, und fuhren mit dem Kleinbus in Richtung Dschungel, nach Vila Maracá, einem kleinen Dorf am Ufer des Rio Maracá wo wir nun zum letzten Mal den 'Luxus' eines Restaurants und einer Behausung mit Wänden genießen sollten. |
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| Das Restaurant Rei da Selva |
Die Unterkunft in Vila Maracá |
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Am Morgen des 10. März ging es nach einer Nacht unter Moskitonetzen mit drei kleinen Booten den Rio Maracá flußaufwärts. Begleitet wurden wir von einigen einheimischen Führern, die uns in den folgenden Tagen bei allem hilfreich zur Hand gingen und nie müde wurden, uns die Tiere und Pflanzen des Urwaldes zu zeigen. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.
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Die Flußfahrt verlief nicht ohne Überraschungen, wobei die größte war, daß man auch auf Äquatorhöhe mächtig frieren kann. Nämlich dann, wenn man als naiver Europäer, der davon ausgeht, es sei dort immer warm, sich nicht entsprechend vorbereitet. Zwar stimmt es, daß es immer warm ist, doch es ist dort auch sehr regnerisch, und nachdem wir einige Stunden ohne Regenschutz in den offenen Kähnen gründlich durchweicht worden waren und uns der Fahrtwind beständig ins Gesicht geblasen hatte, waren wir froh über die kleine Pause, bei der uns frischer Kaffee die Wärme in die Körper zurückbrachte. |
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| Von Zeit zu Zeit wurde die ruhige Fahrt auf dem Fluß von Stromschnellen unterbrochen. Dann hieß es, so gut wie daß ganze Gepäck auszuladen und umzutragen, während die Boote mühselig über die Stromschnellen gezogen wurden. |
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Schließlich erreichten wir abends die Hütte einer Familie, die uns freundlicherweise aufnahm und uns ihre Feuerstelle und ihre Hütte zur Übernachtung überließ. So verbrachten wir unsere erste Nacht im Regenwald, fasziniert vom Feuerwerk der Glühwürmchen und vom Konzert des Urwaldes.
Am nächsten Morgen (10. März) ging die Bootsfahrt weiter, bis wir schließlich vormittags unser endgültiges Etappenziel erreichten. Es handelte sich dabei um eine einfache Hütte im Urwald, die im wesentlichen aus einigen Pfosten mit einem Palmblätterdach bestand. Wir richteten uns sofort häuslich ein, wobei Timo und Miriam sich aus Platzmangel ihre eigene Unterkunft zimmerten, und begannen dann, die Umgebung zu erforschen.
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| Die Hütte, vom Fluß aus kaum zu sehen. |
Die Urwaldhütte |
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In den folgenden Tagen erkundeten wir die Umgebung der Hütte, bei Tag und bei Nacht. Allerdings war der Exkursionsradius recht eingeschränkt, so daß wir uns im Grunde nur auf zwei kurzen in den Wald geschlagenen Pfaden bewegen konnten. Ein weiteres Eindringen wurde durch die Dichtheit des Urwaldes und der Gefahr, nicht mehr zur Hütte zurückzufinden, erschwert. Jedoch gab es rund um die Hütte genug zu entdecken, so daß dies nicht weiter störte.
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| Jeder fand ein Gebiet, mit dem er sich besonders beschäftigen konnte. Christian z.B. kümmerte sich um die unzähligen Ameisen, Maike um Insekten wie z.B. Stabheuschrecken, Matthias Götz studierte die Reptilien, Nicole die Vögel und Timo die Fische. Ich selbst spezialisierte mich auf die Photographie. |
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| Christoph |
'Jumping Sticks' |
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| Matze beim Schlangenfangen |
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Unsere einheimischen Begleiter erwiesen sich als hervorragende Führer durch den Wald. Es war einfach erstaunlich, was sie alles im Wald entdeckten, wo es für einen ungeübten Europäer nur einheitliches Grün gibt. Sie machten uns auf die Tiere und Pflanzen des Waldes aufmerksam, fingen Tiere für (die wir später wieder frei ließen) für uns und demonstrierten für uns die Herstellung von Naturkautschuk.
Während die Herstellung von Naturkautschuk seit der Erfindung des synthetischen Kautschuks anfangs des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung verloren hat, stellt das sammeln von Paranüssen für die einheimische Bevölkerung immer noch eine Einnahmequelle dar. Entsprechend führten uns unsere einheimischen Begleiter am 11. März ein Stück flußaufwärts zu einem Pfad im Urwald, der die vereinzelt stehenden Paranußbäume verband. Die Sammler wandern Pfade wie diesen in regelmäßigen Abständen ab und sammeln die herabgefallenen Paranüsse ein. Diese werden dann in Säcke gepackt und mit denselben Booten, die uns hierhergebracht hatten, den Fluß hinabgefahren. Das letztendliche Ziel der Paranüsse ist die heimische Verarbeitung (z.B. zu einem sehr leckeren gehaltvollen 'Gebäck' aus Paranußöl und Zucker) und der Exportmarkt, unter anderem nach Europa.
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| Das Leben Leben und Sammeln rund um die Hütte ging bald einen geregelten Gang. Morgens wurde man Punkt 6 Uhr von den 'Kreissäge-Zikaden' (Der Ausdruck ist angesichts ihrer Lautstärke und ihres Geräusches durchaus angemessen) geweckt. Nach dem Frühstück (Kaffee, Kekse, Knäckebrot und Goiaba-Schmier) starteten wir mit dem Tagesprogramm. |
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| José Mercedes betrachtet fasziniert die Welt des Kleinen. |
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Wenn kein Ausflug an der Tagesordnung war, ging jeder seinem Steckenpferd nach, oder es wurden Versuche durchgeführt, wie z.B. der Prachtbienen-Lockversuch, oder eine kleine chemische Untersuchung des Flußwassers. Außerdem wurden Tiere gesammelt, bestimmt, photographiert, der Gruppe präsentiert und danach wieder freigelassen. So gewannen wir einen immer größer werdenden Einblick in die Fauna des Urwaldes, der Angesichts der 'Technik' eines Binokulars auch für unsere einheimischen Begleiter neu gewesen sein dürfte. Auf diese Weise verging die Zeit bis zum Mittagessen, das schon einige Stunden auf dem Feuer war, wie im Fluge.
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Jeden Mittag zauberte unsere Köchin Alice dann eine neue Leckerei aus dem Kochtopf, die zumeist aus der Variaton eines Eintopfes aus Kartoffeln, Karotten und Fleisch bestand. Serviert wurde das ganze dann auf einem Bett aus Bohnen an Reis , überstreut mit Maniokpulver. Den Fleischvorrat frischten unsere einheimischen Begleiter nächtens mit gejagten Pakas und anderem Wild auf, und manchmal war auch das Fischerglück uns hold, so daß wir gegrillten Piranha genießen konnten. |
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| Gegrillte Piranhas |
Nahrhafter Eintopf aus Fleisch, Reis, Bohnen und Maniok |
Kein Drei-Sterne-Restaurant, aber es schmeckt |
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| Nachmittags wurde weiter geforscht, während Alice schon wieder die nächste Mahlzeit vorbereitete. Da dadurch alle Kochtöpfe eigentlich rund um die Uhr im Einsatz waren, hatten wir ein kleines Problem: Zur zusätzlichen Trinkwasserversorgung mußten wir Wasser abkochen. Doch worin? |
| Bis Rainer schließlich auf die Idee kam, daß jeder von uns tatsächlich noch einen 'Kochtopf' dabei hatte: Eine Sigg-Flasche. Und tatsächlich, wenn man eine leichte Verfärbung der Außenseite in Kauf nimmt, eignen sich die Flaschen ganz hervorragend zum Abkochen von Wasser. Einfach im Fluß auffüllen, in die Glut des Feuers stellen und warten. Wenn es ordentlich gebrodelt hat schraubt man einfach den Deckel leicht drauf und kann so die Flasche aus dem Feuer holen, ohne sich die Finger zu verbrennen. Dann wieder zum Abkühlen in den Fluß stellen und anschließend... genießen! |
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| Das Abendessen wurde meist schon nach Einbruch der Dunkelheit serviert und im Schein der Stirnlampen genossen. Nacht bedeutet im Urwald allerdings nicht, daß nichts los wäre. Im Gegenteil. Bei Nacht spürt man noch viel mehr, daß der Wald voller Leben ist. Um uns herum begann es zu piepsen, zu zwitschern, zu glucksen, zu trommeln und zu trillern. Das Konzert des Urwaldes hatte begonnen, und für die die früh zu Bett gehen wollten, war es das schönste Schlaflied, das man sich denken kann. Allerdings gibt es des nachts im Dschungel nicht nur viel zu hören. So machten wir mehrmals Ausflüge, den Waldpfad entlang und beobachteten eine Reihe Tiere, die sich bei Tag eher verbergen, z.B. Geißelspinnen, die wir später bei Jaciara noch einmal sehen sollten. |
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Die Tage am Rio Maracá vergingen rasch, und am 15. März beluden wir wieder die Boote und fuhren wieder den Fluß hinab. Die Strecke, für die wir auf dem Herweg fast eineinhalb Tage gebraucht hatten, legten wir nun in ca. fünf Stunden zurück. Und da der Mensch aus Fehlern lernt, hatten wir nun auch jeder einen Regenschutz dabei, so daß wir nicht ganz so sehr frieren mußten.
Den Rest des Tages verbrachten wir in Vila Maracá, wo wir von den Bewohnern freundlich aufgenommen wurden. Besonderes Highlight war natürlich der Komfort eines Abendessens im Restaurant Rei da Selva.
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| Am 16. März fuhren wir noch ein Stück den Fluß hinab zu einer grasbewachsenen Ebene. Wie gut es tat, endlich mal wieder den Blick schweifen lassen zu können! Und nicht vergessen darf man den Genuß von reifen Mangos, frisch vom Baum! Kein Vergleich zur importierten Supermarktware!
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| Schließlich, am 17. März, fuhren wir zurück nach Macapá. Die Urwald-Etappe lag hinter uns, und es fiel uns allen gar nicht leicht, die fantastische Atmosphäre des Urwaldes mit dem albernen Lärm der Zivilisation einzutauschen. Doch es blieb uns nichts anderes übrig, und nach einem weiteren Tag Aufenthalt in Macapá reisten wir dann am 19. März weiter ins Pantanal, dem zweiten Etappenziel. |
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