Brasilien-Exkursion 2000

Zweites Etappenziel: Pantanal - Zu Gast auf der Fazenda Ipiranga

Reisebericht

Im Pantanal im Bundesstaat Mato Grosso genossen wir nach dem einfachen Leben am Rio Maracá den Luxus der 'Zivilisation'. Wobei man aber sagen muß, daß dieses einfache Leben und die Freundlichkeit der Einheimischen einen bleibenden Eindruck hinterlassenhaben. Dennoch ist auch das Pantanal mit seiner Schöheit unvergessen geblieben und hier soll nun ein kurzer Bericht über diesen Reiseabschnitt gegeben werden.
Ein Vogelparadies Das Pantanal Kaimane
Rund um die Fazenda Das Mausopossum Weiterfahrt

Ein Vogelparadies

Nach der Ankunft in Cuiabá am 19. März fuhren wir zügig mit dem Kleinbus weiter zu unserer Unterkunft, der Fazenda Ipiranga - Pousada Piuval in der Nähe von Poconé.

Schon die Anfahrt verlief zu Nicos höchster Freude, konnte man doch schon aus dem fahrenden Auto heraus jede Menge Vögel beobachten. Der Aufenthalt schien vielversprechend zu werden. Und so war auch das erste, was wir nach der Ankunft auf der Fazenda erblickten, ein großer Hyazinth-Ara auf einem Baum. Wir zückten sofort die Ferngläser und machten die Teleobjektive flott, um diesen seltenen Vogel einzufangen. Doch es kam noch bessr: Nach wenigen Minuten gesellten sich noch drei weitere Hyazinth-Aras dazu. Wir waren selig. Bis plötzlich ein Ruf von der Terrasse kam. Wir drehten uns um, uns was erblickten wir? Einen Hyazinth-Ara, frei herumlaufend, aber handzahm! Seltene Vögel schienen hier nichts besonderes zu sein...

Wir zückten sofort die Ferngläser und machten die Teleobjektive flott, um diesen seltenen Vogel einzufangen. Doch es kam noch bessr: Nach wenigen Minuten gesellten sich noch drei weitere Hyazinth-Aras dazu. Wir waren selig. Bis plötzlich ein Ruf von der Terrasse kam. Wir drehten uns um, uns was erblickten wir? Einen Hyazinth-Ara, frei herumlaufend, aber handzahm! Seltene Vögel schienen hier nichts besonderes zu sein...
Chris mit dem Hyazinth-Ara
Chris mit dem Hyazinth-Ara
Und so sollte es auch sein. Einige von uns standen praktisch jeden Morgen früh auf, um Vögel zu beobachten. Und es hat sich gelohnt! Die Fülle an unterschiedlichen Vögeln war erstaunlich. Egal, ob es sich um Reiherartige handelte, um Eisvögel, Kampspechte oder Sittiche, man konnte alle fast von der Hängematte aus beobachten. Auf unseren Spaziergängen in die Umgebung konnten wir dann auch größere Vögel gut beobachten, wobei zu den Höhepunkten mit Sicherheit die Wehrvögel (Chauna torquata, Southern Screamer) und der Jabiru (Jabiru mycteria), der größte Storchenartige gezählt haben.
Timo beobachtet Wehrvögel Der größte Storch der Welt
Timo beobachtet Wehrvögel Der Jabiru
Eine Liste aller in den Jahren 1994, 1997 und 2000 von der Exkursion im Pantanal gesichteten Vogelarten kann im offiziellen Exkursionsbericht eingesehen werden.

Das Pantanal

Kaimane
Das Pantanal ist das größte Feuchtgebiet der Erde. Es liegt in Brasilien ungefähr zwischen dem 16. und dem 20. südlichen Breitengrad. Seine Fläche entspricht insgesamt in etwa der der Bundesrepublik. In der Trockenzeit ist der größte Teil trocken und wird landwirtschaftlich genutzt (Viehzucht). In der Regenzeit jedoch verwandelt es sich in ein riesiges Überschwemmungsgebiet, das nur schwer zugänglich ist. Eine Straße, die das Pantanal von Norden nach Süden durchqueren sollte war zwar einmal geplant. Jedoch wurde sie nie fertig, so daß man auf ihr nur ein Stück weit in das Gebiet vordringen kann.
Entsprechend unserer Reisezeit erlebten wir das Pantanal im überschwemmten Zustand. Dies hatte zum einen zur Folge, daß wir Teile unserer Wanderungen watend oder im Boot zurücklegen mußten, zum anderen leider, daß wir die wasserliebenden Tiere, die sich in der Trockenzeit in und um die Wasserstellen sammeln, nicht zu Gesicht bekommen haben. Das überschwemmte Pantnal
Dennoch, oder gerade weil der Kontrast zwischen Land- und Wasserflächen in Verbindung mit einem wunderschönen weiten Himmel so schön ist, ist das Pantanal mit einer der schönsten Orte, die die Exkursion besucht hat.

Kaimane

Rund um die Fazenda
Ein im Pantanal üblicher Zeitgenosse
Kleinerer Kaiman
Man kommt im Pantanal nicht um sie herum: Kaimane. In jedem Wasserloch liegen sie, in allen Größen von einem halben bis zu zwei Metern Länge. Die kleinen kann man auch aus nächster Nähe beobachten, während die großen schon bedrohlich fauchen, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Wenn man auf der Terrasse sitzt und mit der Taschenlampe in die Nacht leuchtet, dann sieht man allerorten ihre Augen aufleuchten.

Eines Tages kam Matze R. auf die Idee, sich so ein Tierchen mal näher anzusehen und macht esich mit dicken Handschuhen bewaffnet auf in Richtung Wasser. Wir waren ja eher skeptisch, was daraus werden sollte, doch auf einmal ertönte ein lauter Ruf: 'Seht doch mal!'. Und da kam er, Matze der Kaiman-Fänger. Das Tierchen hatte sich offenbar problemlos fangen lassen. In der Tat hatten wir am Schluß sogar Mühe, es wider von der Terasse herunterzujagen. Kaimane und Menschen scheinen sich also zu kennen im Pantanal, und wissen miteinander umzugehen.
Matze und der Kaiman
Matze

Rund um die Fazenda

Das Mausopossum

Die Fazenda Ipiranga bietet neben komfortabler Unterkunft mit Vollpension auch einige andere Highlights. So kann man auf mehr oder weniger gut geübten Pferden ausreiten. Wir ließen uns dies natürlich nicht nehmen. Für mich, der noch nie auf einem Pferd gesessen war war dies ein besonderes Abenteuer. Das Tier wußte zwar genau, wohin es gehen sollte. Dafür ließ es sich aber nicht überreden, einmal stehen zu bleiben, oder nicht wild auf der Stelle herumzutänzeln. Und als es schließlich wieder nach Hause ging, wurde es so ungeduldig, daß es in einen strammen Galopp verfiel. Ich hatte allerdings größte Mühe, oben zu bleiben, zumal sich meine im Steigbügel verhakte Sandale im Falle eines Absturzes fatal hätte auswirken können. Alles in allem war dies also durchaus ein Erlebnis, das jeden guten Frühstückskaffe komplett überflüsig macht.

Das Wäldchen, zu dem der Ausritt führte hatte allerdings seinen besonderen Reiz. Es beherbergte eine Gruppe Kapuzineraffen, die sich sogar sehr gut beobachten ließ, wenn man nicht in großer Gruppe durch den Wald ritt, sondern alleine oder zu zweit, heimlich still und leise durch den Wald schlich.

Auch Tiere wissen was genießen ist Gürteltier
Kapuzineraffe Gürteltier

Als schönste und exotischste Überraschung jedoch beherbergte der Wald ein kleines Gürteltier, das sich auch von einer größen Gruppe wie uns nicht sonderlich abschrecken ließ.

Das Mausopossum

Weiterfahrt
Das Mausopossum
Das Mausopossum-Baby
Auf einem unserer Spaziergänge geschah es, daß wir einem Baby das Leben retten konnten. Es handelte sich dabei um ein kleines Mausopossum-Baby, das von Ameisen übersäht war. Wie es des Menschen Art so ist, griffen wir in diesen Ablauf der Natur willkürlich ein und befreiten das arme Tier von seinen Peinigern. Dies erwies sich als gar nicht so einfach, hatten sich die Ameisen doch so fest verbissen, daß man ihnen die Kieferzangen mit Gewalt aufbiegen mußte. Als das Tierchen frei war macht es einen recht kläglichen Eindruck.

Also spielten wir Adoptiv-Eltern und päppelten das Tierchen auf, bis es wieder recht munter um uns herumwuselte und unser aller Herzen im Sturm eroberte.

Das schien auch auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn eines Nachts begab es sich, daß Matze nachdem er das Tierchen gefüttert hatte es in seinen provisorischen Käfig setzte und schlafen ging. Doch mitten in der Nacht wachten wir auf, und Matze machte das Licht an. Und da saß das Maus-Opossum, mitten auf seiner Brust, wo es zuletzt gefüttert worden war. Liebe geht eben durch den Magen.

Leider, oder besser gesagt zum Glück für das Tier, konnten wir es nicht weiter mit uns nehmen und ließen es daher in der Obhut unserer Gastgeber auf der Fazenda Ipiranga. Was aus dem possierlichen Tierchen geworden ist, wissen wir nicht, aber bestimmt läuft es inzwischen frei in seiner Heimat herum...

Weiterfahrt

Die Tage im Pantanal waren erlebnisreich, doch viel zu früh zu Ende. Aus organisatorischen Gründen für dann auch die erste Hälfte der Gruppe am Nachmittag des 22. März nach Cuiabá. Nach einer Nacht im Hotel fuhr die Teilgruppe dann am 23. März nach Jaciara, zur nächsten Station.

Die zweite Teilgruppe folgte nach einer letzten Nacht im Pantanal am Vormittag des 23. März direkt nach. In der Chapada dos Guimarães halfen wir dann gemeinsam bei der Arbeit an einem ökologischen Projekt mit.

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Autor dieser Seite: Christoph Lutz.
Letztes Update: 18.01.2004